Vereinigung Evangelischer Freikirchen feierte in Berlin ihr 100-jähriges Bestehen

VEF-Jubiläum "Gemeinsam stark"

Vertreterinnen und Vertreter der VEF-MItgliedskirchen stehen vor einer Bühne und halten symoblisch ein dickes Tau gemeinsam in der Hand.
Vertreterinnen und Vertreter der MItgliedskirchen beim Festakt in Berlin (Bild: VEF).

Mit einem Festgottesdienst startete die Feier zu 100 Jahren Vereinigung Evangelischer Freikirchen. Genau ein Jahrhundert zuvor – am 29. April 1926 – war die VEF in der Friedenskapelle der Baptistengemeinde Leipzig gegründet worden. Etwa 200 Personen aus Politik und Gesellschaft folgten der Einladung in die Berliner Lukas-Gemeinde. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier musste seine Teilnahme am Festakt aufgrund einer Auslandsreise absagen. Er werde jedoch im Juni eine Delegation der VEF im Schloss Bellevue empfangen, wie Anja Kieser, Privatfunkbeauftragte der VEF und Moderatorin des Abends, bekanntgab.

Seiner Festpredigt legte VEF-Präsident Marc Brenner Prediger 4,9-12 zugrunde: „Zwei haben es besser als einer allein; denn zusammen können sie mehr erreichen“ (Prediger 4,9). Er betonte, dass gebündelte Kräfte nicht nur mehr Frucht bringen, sondern auch durch schwierige Zeiten tragen. Als zentrales Bild für das freikirchliche Miteinander diente das biblische Motiv der „dreifachen Schnur“, die nicht so leicht reißt. Wenn viele Stränge zusammenkämen und Christus die tragende Mitte bilde, so der VEF-Präsident, entstehe eine Verbindung, die halte. „Zwei sind besser als einer; wenn einer fällt, hilft ihm der andere auf, Gemeinschaft schenkt Wärme, die dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei“, schloss Brenner die Predigt.

Für die musikalische Gestaltung des Festgottesdienstes sorgte die Band der Lukas-Gemeinde des Mülheimer Verbandes. Getragen wurde das geistliche Miteinander zudem von gemeinsamen Gebeten und Fürbitten. In diesen kamen der Dank für das 100-jährige Bestehen, die Bitte für das gesellschaftliche Miteinander, um Frieden und für die Weggemeinschaft der Kirchen zum Ausdruck.

Der Festakt im Anschluss an den Gottesdienst wurde vom Berlin Psalm Project mit Jazzmusik umrahmt. Was für eine Vereinigung ist eigentlich die VEF? Auf diese Frage antworteten vier Personen in einem kurzen Video und stellten die Arbeit des Zusammenschlusses vor. Die VEF-Kirchen vereine der gemeinsame Glaube an Jesus Christus und daraus erwachse ihr gemeinsamer Auftrag: für andere da zu sein und Nächstenliebe zu üben. „So engagieren sich Freikirchen sozial und gesellschaftlich und fragen immer wieder neu, wie diese Nächstenliebe konkret aussehen kann“, so VEF-Geschäftsstellenleiterin Jasmin Jäger.

Dass bei dieser Arbeit vor allem die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht, zeigte eine weitere Aktion: Vertreterinnen und Vertreter aus den 15 Mitgliedskirchen vervollständigten den Satz „Gemeinsam stark bedeutet für mich …“. Für Majorin Dr. Constanze Pfund von der Heilsarmee heißt das zum Beispiel ganz konkret: „…aufeinander zu hören und miteinander zu handeln.“

In den Grußworten wurde das geschwisterliche Miteinander über Konfessionsgrenzen hinweg sichtbar. So hob Bischöfin Kirsten Fehrs, die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die gewachsene Gemeinschaft der Kirchen hervor und erinnerte an die Predigtgemeinschaft zwischen VEF und EKD. Zudem lobte sie die Stellungnahme des VEF-Beauftragten am Sitz der Bundesregierung, Konstantin von Abendroth, der sich klar gegen politische Vereinnahmung der AfD und den Versuch, „einen Keil zwischen Frei- und Landeskirchen zu treiben“, ausgesprochen hat.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Rev. Christopher Easthill, würdigte die Vorreiterrolle der VEF als älteste ökumenische Vereinigung von Kirchen und Gemeindebünden in Deutschland: „Sie sind sozusagen unsere ältere Halbschwester – und mehr noch: Sie sind eine Wegbereiterin.“ Als die ACK gegründet wurde, stammten drei der insgesamt fünf Gründungsmitglieder aus der VEF. „Uns verbindet weit mehr als nur eine organisatorische Schnittmenge. Uns verbindet die gemeinsame Basis: das Bekenntnis zu Jesus Christus als Gott und Heiland gemäß der Heiligen Schrift.“

Für die katholische Kirche überbrachte Bischof Dr. Gerhard Feige die Glückwünsche. Er räumte Schuld gegenüber den Freikirchen ein und sagte für die Zukunft einen „wirklich geschwisterlichen Umgang“ zu. Auch Bischof Emanuel von Christoupolis von der griechisch-orthodoxen Kirche würdigte die von der VEF gelebte Einheit in Vielfalt und sprach sich für das Zusammenstehen der Kirchen gegen spaltende Ideologien aus.

Zum Abschluss des Festakts richtete der VEF-Vorstand den Blick nach vorn auf die Zukunftsperspektiven der 100-jährigen Vereinigung. Angesichts der wachsenden gesellschaftlichen Vielfalt brauche es eine geeinte Kirche, so James Ros, Vize-Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Ein Beitrag der VEF sei es, „Räume zu schaffen, in denen Vielfalt nicht trennt, sondern trägt.“

Im Anschluss an den Festakt waren die Gäste zum Jubiläumsempfang eingeladen. Das Jubiläumsmagazin, das die bunte Vielfalt aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der VEF darstellt, ist online verfügbar.

Quelle: www.vef.de

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