VEF: Stellungnahme zum SPIEGEL-Artikel "Die Bibel und die Maske“

Berlin/Erzhausen (VEF/da) - Das Magazin Der Spiegel berichtet in seiner Ausgabe vom 17.10.2020 über freikirchliche Christen, die zu den Verschwörungstheoretikern in Sachen Corona-Virus gehören. Nach Meinung des Journalisten Felix Bohr verbreiten Prediger der evangelikale Bewegung Verschwörungsmythen über das Virus. Und überhaupt scheint das "Milieu der evangelikalen Freikirchen, darunter bibeltreue Christen und sogenannte Pfingstler mit Erweckungserlebnissen, […] anfällig für Verschwörungsmythen."

Gegen dieser Pauschalisierung und die in dem Artikel erhobenen Vorwürfe hat die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) Stellung bezogen und am 19.10.2020 ein Statement herausgegeben:

Statement zum Spiegel-Artikel „Halleluja! Keine Masken!“ von Felix Bohr

Sehr pauschal ist in dem Artikel von Freikirchen die Rede. Die Gemeinde von Christian Stockmann gehört keiner der Mitgliedskirchen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) an. Die im Spiegel-Artikel zitierten Thesen Stockmanns halten wir für falsch, ja in hohem Maße gefährlich. Es ist journalistisch unredlich, dass der Spiegel-Artikel mit Stockmanns Thesen ein extremes Beispiel von Unvernunft verallgemeinert und zu Unrecht auf alle Freikirchen überträgt.

Als VEF sind wir dem Anliegen verpflichtet, die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Der Schutz von Leben und Gesundheit hat für uns höchste Priorität. Deshalb haben unsere Mitgliedskirchen gleich zu Beginn der Pandemie Schutzkonzepte für Gottesdienste und Veranstaltungen erstellt. Die Ortsgemeinden unserer Mitgliedskirchen sind angehalten, die darin beschriebenen Maßnahmen sowie die in ihren Bundesländern und Kommunen jeweils geltenden Verordnungen umzusetzen. Keine der Masseninfektionen, auf die der Artikel sich bezieht, ist in einer Freikirche der VEF gewesen.

Zudem werden in dem Artikel die Begriffe evangelikal und freikirchlich als Synonyme verwendet, was falsch ist. Dass der Artikel die von Freikirchen propagierte Trennung von Kirche und Staat auslegt, als sei Widerstand gegen staatliche Vorgaben die natürliche Folge dieses Grundsatzes, ist geradezu eine Verkehrung dieses Prinzips. Freikirchen stehen für ein konstruktives, aber unabhängiges Miteinander von Staat und Kirche.

Wir verweisen für eine differenziertere Darstellung auf den Artikel des Medienmagazins pro, in dem der Politikbeauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz, Uwe Heimowski, zitiert wird: www.pro-medienmagazin.de.

Uwe Heimowskis Fazit stimmen wir zu (Zitat aus o. g. Bericht): "Die Tragik an Artikeln wie diesem ist, dass sie genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie - vorgeblich - bewirken wollen." Wer statt einer soliden Recherche und einer objektiven Beschreibung "reißerisch altbekannte Vorurteile" bediene und „konstruktive und differenzierte Gespräche auf eine Zeile zusammendampfe“, treibe Menschen dazu, "der öffentlichen Berichterstattung zu misstrauen und sie als 'Mainstream- oder Lügenpresse' abzutun." Damit treibe man Menschen zu unseriösen Informationsquellen "oder tatsächlich in die Hände von Verschwörungstheoretikern."

Dr. Michael Gruber
Pressesprecher - Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF)

Quelle: VEF-Webseite

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen wurde 1926 gegründet. Ihr gehören zwölf Mitglieds- und drei Gastkirchen mit insgesamt ca. 280.000 Mitgliedern an. Zu den Mitgliedskirchen gehören u. a. die Mennoniten, die Methodisten, die Baptisten, die Heilsarmee und auch der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden.

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