Impulse auf der kommenden BFP-Konferenz
Wie Kirche im Quartier zum Segen wird

Die großen Kirchen verlieren Mitglieder, gesellschaftlicher Einfluss geht zurück. Gleichzeitig wächst die Sehnsucht nach Gemeinschaft und glaubwürdigem Engagement im Alltag. Eine Initiative, die darauf Antworten geben möchte, heißt "Kirche im Quartier". Sie setzt auf ein enges Zusammenspiel von Bildung, Wohnen, Sozialem und Glauben – alles an einem Ort. Wie das praktisch aussehen kann, beschreibt Daniel Kurzius von der MÖRK GmbH & Co. KG im folgenden Beitrag.
Da sein, wo das Leben ist
Die großen Kirchen in Deutschland erleiden einen Bedeutungsverlust wie noch nie. Der Mitgliederschwund ist immens. Und das christliche Abendland schippert zusehends in eine Sinn- und Glaubenskrise. Was nun, Kirche? Natürlich, in vielen Freikirchen und Gemeinschaften gibt es geistliches Leben und tolle Aufbrüche. Oft in Nischen, am Rand der Stadt, in Industriegebieten. Und so vereinen uns als Christinnen und Christen aller Konfessionen immer mehr diese Fragen:
- Wie werden wir als Kirchen, Gemeinden und Werke noch relevanter für die Menschen in unserem Umfeld?
- Was sind unsere Ansatzpunkte? Wie kann das Evangelium als echt gute Botschaft wieder neu Menschen erreichen?
- Wie sind wir als Gläubige für unsere Stadtgesellschaft ein Segen?

Ich orientiere mich gerne an Jesus. Er war da, wo die Menschen waren. Wo sie sowieso waren. Mittendrin. Da, wo das Leben pulsiert. Nah bei den Bedürfnissen und echten Nöten. Nah bei den großen Fragen und fulminanten Festen des Lebens. Er konnte den Kindern segnend begegnen und den Bedürftigen helfen. Er konnte mit Traurigen trauern und mit den Fröhlichen feiern.
Irgendwie war er viel mehr in der Gesellschaft präsent, als wir es oft mit unseren sonntäglichen Gottesdiensten und dem Gemeindeleben unter der Woche sind. Und irgendwie hatte er so einen echten Impact auf das ganze Leben von Menschen.
Und genau dort – mitten im Alltag der Menschen – könnte auch heute Kirche wieder wirksam werden. Nicht nur im Kirchengebäude, sondern da, wo das Leben passiert. In den letzten Jahren ist dabei eine gesellschaftliche Größe wieder neu in den Blick gerückt: Das Quartier. Das Viertel, in dem ich lebe und einkaufe. Das Gebiet vor meiner Haustüre mit den wichtigsten Einrichtungen für meinen Alltag:

Der Kindergarten, die Grundschule, der Supermarkt – vielleicht sogar meine Arbeitsstelle und der Friedhof.
Wie wäre es, wenn wir als Kirchen und Gemeinden diese Größe neu entdecken?
Stellen wir uns mal folgendes vor: Der Familienpapa geht morgens aus dem Haus, bringt die Tochter in die evangelische Kita im Quartier, liefert den Sohn in der freien evangelischen Schule gegenüber ab und arbeitet im Coworking-Space im selben Gebäudekomplex. In der Mittagspause geht er Oma besuchen, die im betreuten Wohnen auf der anderen Straßenseite lebt. Die Diakoniestation im Erdgeschoss hat einen Kreis an Ehrenamtlichen aufgebaut, in dem er sich engagiert. So hilft er einmal die Woche noch beim offenen Angebot für Geflüchtete mit. Am Abend lädt die Ortsgemeinde im Mehrzwecksaal zu einem interessanten Vortrag über nachhaltiges Leben in der Stadt ein. Am Wochenende nutzt sie den Saal für ihre Gottesdienste.
Wohnen, arbeiten, lernen, glauben – an einem Ort
Prof. Dr. Wolfgang Stock, Generalsekretär des Verbands Evangelischer Bekenntnisschulen sagt:
"In unserer Gesellschaft wird werte-orientierte Bildung immer wichtiger. Lernen und studieren mitten im Leben ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Ich setze mich dafür ein, dass christliche Quartiere entstehen, in denen staatlich anerkannte freie evangelische Schulen ein Herzstück sind."
Es könnte ganz schön einfach sein, ein Segen zu sein. Wenn Gemeinden und Kirchen sich öffnen für diese Idee: Da sein, wo das Leben ist. Durchlässig und anschlussfähig zu sein für die Anliegen der Menschen in der Nachbarschaft. Ein relevanter Player sein in den Bereichen Bildung, Wohnen und Soziales. Dann erleben Menschen im Quartier authentischen Glauben und Hilfe im Alltag. Echten Segen eben.
In den letzten Jahren bewege ich mit einigen Mitstreitern diese Idee. In unserem Netzwerk „Kirche im Quartier“ kommen wir mit Verantwortlichen aus Kirche und Gesellschaft zusammen, um mit Start-up-Vibe in diese Richtung zu vorwärts zu gehn. Wir glauben daran: Es geht, christliche Wohn-, Bildungs- und Sozialprojekte zu initiieren, die Hoffnung stiften und Gesellschaft prägen.
Berührt dich das Thema auch?
Herzliche Einladung zu unseren Workshops auf der BFP-Konferenz in Willingen:
Mittwoch, 24.09. um 11:15 Uhr und um 15 Uhr jeweils für 60 Minuten.
"Kirche im Quartier. Mehr als Steine." Kita, Schule, Wohnen, Arbeiten durch Jesus prägen!
In unserem Workshop bringen wir das Thema „Kirche im Quartier“ mit Menschen zusammen, die sich dafür interessieren, Fragen haben und Know-how einbringen wollen.
Mit Prof. Dr. Wolfgang Stock (VEBS), David Lieberherr (novum Locations), Michael Mierich (Pastor), Florian Wellmann (Florian Wellmann Immobilien), Daniel Kurzius (Quartier C, MÖRK)
Sehen wir uns?
Jesus war da, wo das Leben ist. Und ich finde, wir als Christinnen und Christen können von ihm lernen. Unsere Städte und Quartiere warten nur darauf.