Impulse und Ermutigungen am dritten Konferenztag

Zwischen Ruhe und Aufbruch

Blick über das Publikum auf die beleuchtete Bühne während der ersten Session des dritten Konferenztages.
Ruhe, Identität und Berufung standen im Mittelpunkt der ersten Session am Mittwoch. Sharon Chelliah sprach dabei über den „Rhythmus der Gnade“ und ermutigte dazu, die eigene Berufung anzunehmen. (Bild: Timna Gibson)

Willingen. Den dritten Konferenztag eröffnete Pastorin Sharon Chelliah aus Perth mit einer persönlich und biografisch geprägten Predigt. Vor 20 Jahren hatte sie mit ihrem Mann Joel eine Gemeinde gegründet, damals als junge Mutter von zwei Kleinkindern, schüchtern und mit dem Gefühl, für die Rolle an der Seite eines Pastors nicht geeignet zu sein. Die Leitungsvorbilder, an denen sie sich orientierte, hätten sich angefühlt „wie Sauls Rüstung an David“. Der Druck, in fremde Muster passen zu wollen, habe sie schließlich sogar körperlich krank gemacht.

Ausgehend von einem Traum und von Psalm 23,2 sprach sie über Gott, der auf „grüne Auen“ führt. Mit Matthäus 11,28–29 richtete Sharon Chelliah den Blick auf Ruhe und Nachfolge. Aus der englischen Bibelübertragung „The Message“ griff sie die Formulierung von den „unforced rhythms of grace“ auf, dem ungezwungenen Rhythmus der Gnade. Auch die eigenen Aktivitäten sollten vom Klang und Rhythmus des Himmels geprägt sein.

Einen besonderen Akzent setzte sie auf Frauen und auf die Spannung zwischen Familie und Dienst, die gerade Mütter in der Gemeindearbeit erleben. Statt einer starren Balance brauche es die Bereitschaft, verschiedene Lebensphasen anzunehmen. Eine Stellenbeschreibung für ihre Rolle habe es nie gegeben, doch der Heilige Geist kenne die Aufgabe, die er jedem Einzelnen zugedacht habe. Mit Jesaja 8,18 und Jeremia 9,19–20 rief sie Frauen dazu auf, als Fürbitterinnen und Mütter für die nächste Generation und für Deutschland einzutreten.

16 Workshops und Zeit für Begegnung

In 16 Workshops, die vormittags und nachmittags angeboten wurden, reichte das Spektrum von Gemeindeerneuerung, Multisite und Evangelisation über Resilienz und Sozialarbeit bis zu Kirchenbau, Fördermitteln und dem Engagement für Menschen in Armut.

Beim „Kick-off des BFP-Netzwerks Politik“ stellten David Giesbrecht und sein Team ein neues Angebot vor, das Gemeinden beim Aufbau von Beziehungen zu Politikerinnen und Politikern unterstützen soll. Im Mittelpunkt stehe nicht das Stellen von Forderungen, sondern der Aufbau von Vertrauen und die öffentliche Präsenz von Kirche. Gerhard Kehl, Pastor der Alpen-Church im Allgäu, ermutigte gemeinsam mit seinem Team und Studierenden der „Schule der Erweckung“ dazu, neben guter Gottesdienstplanung bewusst Freiräume für eine „Kultur der Gegenwart Gottes“ in der Ortsgemeinde zu schaffen, und leitete dazu auch eine praktische Übung an. Unter dem Titel „Spieglein, Spieglein an der Wand …“ forderte Björn Lütke die Teilnehmer auf, bei der Frage nach künftigen Gemeindegründern nicht auf andere zu schauen, sondern sich selbst in den Blick zu nehmen, und zeigte praktische Schritte zur Multiplikation auf.

Auch zwischen den Programmpunkten gab es viel zu entdecken: In einem rund 1.500 Quadratmeter großen Zelt präsentieren sich 97 Werke, Initiativen, Organisationen und Dienstleister. Der von Blessings4You aus Stuttgart gestaltete Büchertisch lädt wie in den Vorjahren zum Stöbern ein.

Mehrere Personen im Gespräch an einem Messestand im Ausstellerbereich der BFP-Konferenz.
Zeit für Gespräche und neue Kontakte: 97 Werke, Initiativen, Organisationen und Dienstleister präsentieren sich im rund 1.500 Quadratmeter großen Ausstellerbereich der Konferenz. (Bild: Matheus Fleury)

Von 15 bis 17 Uhr öffnete zudem die „Zeit der Begegnung“. Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten dort Seelsorge und prophetisches Gebet in Anspruch nehmen. 30 Beterinnen und Beter waren dafür in Zweierteams im Einsatz und beteten innerhalb von zwei Stunden für knapp 270 Menschen.

Ein Prediger steht mit einem Mikrofon auf der blau beleuchteten Bühne der BFP-Konferenz.
Drei „Riesen“ auf dem Weg ins Neuland standen im Mittelpunkt der Abendpredigt von Joel Chelliah. (Bild: Zara Ergeletzis)

Drei „Riesen“ auf dem Weg ins Neuland

Am Abend nahm Joel Chelliah die Geschichte von David und Goliath aus 1. Samuel 17 auf. Wer seinen Fuß auf neues Land setze, müsse damit rechnen, dass ihm „Riesen“ begegnen. Drei davon stellte Joel Chelliah heraus: Goliath stehe für Einschüchterung, die den Blick von Gott auf die eigenen Grenzen lenke. Eliab verkörpere Ablenkung durch Nebenschauplätze, die Kraft vom eigentlichen Auftrag abziehen. Saul stehe für Entmutigung – auch durch Menschen, von denen eigentlich Unterstützung erwartet werde.

Dass diese Riesen real sind, machte der Nationalleiter der Australian Christian Churches (ACC) mit eigenen Erfahrungen deutlich. Seine erste Rede als neuer Leiter in Westaustralien brach er nach 15 Minuten ab, weil die innere Stimme der Einschüchterung zu laut wurde. Jahre später stand er nach einer entmutigenden Bemerkung eines Mentors kurz davor, seine Gemeinde abzugeben. Wer spüre, dass Gott ihn etwa zur Gemeindegründung beruft, solle das nicht endlos aufschieben: „Beten heißt reden, hören, tun.“

David habe sich entschieden, keinem dieser Widerstände die Richtung vorgeben zu lassen. Joel Chelliah rief dazu auf, sich nicht von Einschüchterung, Ablenkung oder Entmutigung bestimmen zu lassen. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer reagierten auf den anschließenden Aufruf und kamen nach vorn, um für sich beten zu lassen.

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